Dufour, Éric

La nation chez Bruno Bauer entre social et politique. Particulier, universel et singulier - 2023.


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This essay discusses the concepts of nation and people in Bruno Bauer’s works and does so by scrutinizing the links between the author’s philosophical and his anti-Semitic texts. For Bauer, those two concepts refer to realities which are not natural but indeed historical. To him, there is no naturalness to nations and man’s only nature is to have none! Secondly, this article points out that, for Bauer, humankind stands above the various nations. It is admittedly an ideal but it represents the goal the various nations’ development tries and reach: through wars and talks they aim for mutual agreement and understanding. The central question is henceforth: how can one’s historical specificity be developed so as to make it partake of universalness, namely to reason’s universalness? Germanness does not have any superiority since universalness does not exist as a fact but is and remains an ideal. The same problem appears when considering the question of how the individual can raise to the State’s or the nation’s interest (namely to the whole). This study argues that Bauer rejects the German definition of nation through natural traits such as language, blood, etc. Yet, it shows that he also rejects the French definition of nation through a contract. To solve the quandary, he suggests a third, genuinely social path. Der vorliegende Artikel befasst sich mit den Begriffen Nation und Volk bei Bruno Bauer, unter Berücksichtigung der Beziehungen zwischen seinen philosophischen und antisemitischen Texten. Beide Begriffe bezeichnen Gegebenheiten, die nicht natürlich, sondern historisch bedingt sind. Es gibt für Bauer keine Natürlichkeit der Nationen, und die einzige Natur des Menschen besteht darin, keine Natur zu haben! Zudem steht für ihn das Konzept der Menschheit über dem der verschiedenen Nationen, zwar als Ideal, aber auch als Ziel der Entwicklung der einzelnen Nationen, die durch Kriege und Diskussionen zu einer Einigung und Verständigung tendieren. Die entscheidende Frage lautet also: Wie kann historische Besonderheit entwickelt werden, als Vorstufe zum Universellen, d. h. zum Universellen der Vernunft? Aus diesem Grund gibt es bei Bauer keine Überlegenheit des Deutschtums, da das Universelle sich noch nicht verwirklicht hat, sondern ein Ideal ist und bleibt. Das Problem ist das gleiche, wenn man sich fragt, auf welche Weise das Individuum über sich hinauswachsen und sich zum Wohl des Staates oder der Nation (d. h. zur Totalität) erheben kann. Bauer verwirft die deutsche Bestimmung der Nation aufgrund einer natürlichen Disposition (Sprache, Blut usw.). Aber er lehnt auch die französische Bestimmung der Nation durch den Vertrag ab und schlägt einen dritten, gesellschaftlichen, Weg vor.